Pressespiegel

Pressenotiz der Stadt Mannheim

50 Jahre ist es her, seit das Nachbarschaftshaus Rheinau als Begegnungsstätte mit Erziehungsauftrag gegründet wurde. „Heute feiern wir alle“, sangen deshalb die Jungen und Mädchen des Chors der Rheinauer Grund- und Förderschule beim Jubiläums-Festakt im großen Saal des Nachbarschaftshauses.

„Dieses Haus ist in wahrstem Sinne ein Nachbarschaftshaus“ sagte Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz bei seiner Festrede. Das Haus vereine viele Themen: Erziehung, Demokratie, Integration, Bildung, Nachbarschaft und bürgerschaftliches Engagement. Außerdem biete es Raum für Begegnung und die Vereine vor Ort. „Das ist nicht selbstverständlich, sondern beruht auf dem Engagement vieler“, so Kurz.

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Presseartikel Mannheimer Morgen

Nachbarschaftshaus feiert sein 50-jähriges Bestehen mit Festakt / Oberbürgermeister Peter Kurz würdigt hiesige Arbeit

„Als Institution unverzichtbar“

Es ist nicht selbstverständlich, dass der Oberbürgermeister der Stadt Mannheim innerhalb von nur zwei Tagen zweimal in ein- und demselben Stadtteil präsent ist. Am Samstag eröffnete er das Stadtteilfest in Rheinau (wir berichteten), am Tag zuvor kam er zum Festakt "50 Jahre Nachbarschaftshaus Rheinau".

Doch das hatte seinen Grund. "Diese Einrichtung steht für viele Themen, die mir als Oberbürgermeister wichtig sind", bekannte Peter Kurz: Bildung und Erziehung, Integration sowie die Erinnerung an die Ursprünge unserer Demokratie.

Denn, so berichtete das Stadtoberhaupt in seiner Festrede: Die Jugendarbeit auch in Rheinau war eine Errungenschaft der Amerikaner. Im Rahmen ihrer "Re-Education", der Erziehung der Deutschen zu Freiheit und Demokratie, betrieb die German Youth Authority bereits 1948 in Rheinau in einer Baracke Jugendarbeit. "Dass unsere Demokratie geglückt ist, war kein Glück, sondern Ergebnis bewusster Begleitung."

1959 wurde die Baracke aufgegeben, 1962 das Nachbarschaftshaus gebaut - im Bauhaus-Stil der zwanziger Jahre, der Zeit der ersten Demokratie. Kurz verschwieg nicht die schwierigen Zeiten der Einrichtung in den 70er Jahren: Ideologisierung und Radikalisierung, ja sogar Gewaltbereitschaft, die schließlich zur kurzzeitigen Schließung führte.

Heute sei das Nachbarschaftshaus ein Teil des Stadtteils - auch dadurch, dass der Förderverein 1994 den bürgerschaftlichen Teil, also den Saal, übernahm. Der Dank des OB dafür galt Udo Manz, der seit Anbeginn an der Vereinsspitze steht.

In einer sehr reflektierenden Rede präsentierte der Leiter der Einrichtung, Helmut Sauler, die Arbeit des Hauses. Bestand sie zu Beginn aus Freizeitgestaltung, so sei bald sozialpädagogische Hilfe hinzugekommen - für eine Klientel, die zu 80 Prozent Migrationshintergrund aufweise. Wichtig sei die Vernetzung mit Schulen und Freien Trägern.

Klar benannte Sauler die aktuellen Herausforderungen: die immer weniger verfügbare Freizeit von Jugendlichen, ihr Rückzug ins Private, das Agieren im virtuellen Raum. Dabei, so zitierte Sauler aktuelle Untersuchungen, wünschten sich Jugendliche auch heute noch Orte der Begegnung: "Das Nachbarschaftshaus bleibt als Institution unverzichtbar."

Im Namen der Nachbarn gratulierte Kaplan Achim Haberland aus der angrenzenden katholischen Kirche St. Antonius. "Für uns beide steht die Jugend im Vordergrund", nannte er eine Gemeinsamkeit. Und diesen Schwerpunkt zeigte auch der Chor der Grund- und Förderschule Rheinau unter Angela Münch und Tete Tetens mit seinem Auftritt.

Danach, auf dem Empfang, war Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch zwischen den Gästen, unter ihnen viele ehemalige Mitarbeiter des Hauses wie der frühere Leiter Volker Trippmacher, aber auch Erwachsene, die ihre Jugend einst hier verbracht hatten. "Weißt Du noch?" war denn auch ein oft zu hörender Satz beim "Café der Begegnung".

© Mannheimer Morgen, Freitag, 20.07.2012